Olympiasiege, Hyrox, Fischereihafen Restaurant: Im Interview mit Moritz Fürste

Moritz Fürste ist zweifacher Olympiasieger im Hockey und mittlerweile erfolgreich mit dem Fitness-Event Hyrox im Sportbusiness tätig. Im Interview hat Moritz mit mir über seine Zeit als Leistungssportler, das Leben danach und seine Hamburger Lieblingsrestaurants gesprochen. 

Moin Moritz, du warst lange Hockey-Profisportler. Vor knapp drei Jahren hast du deine Karriere an den Nagel gehängt. Kannst du ein paar Schlaglichter auf dein Sportlerleben werfen?

Moritz Fürste: Für mich ging es in meiner Karriere rückblickend immer darum, Erinnerungen zu schaffen, besondere Momente und Emotionen zu kreieren. Das weiß man nicht, wenn man jung und im Leistungssport aktiv ist, dass es darum geht. Ich rede von großen Siegen, schweren Niederlagen. Oder Dinge, die den Teamsport ausmachen: All das, was wir gemeinsam erreichen konnten. Saisons, in denen spezielle Dinge passiert sind, wo man sehr zusammen gestanden hat – egal wie es dann am Ende ausgegangen ist. Aber natürlich stehen über allem ganz klar die Olympia-Siege!

Wie ist dir der Abschied aus dem Profisport mental gelungen? Ich kenne Leute, die kaum damit klarkommen, nicht mehr aktiv in der Kreisklasse B Fußball zu bolzen.

Fürste: Ich glaube, dass es für Leistungssportler sehr wichtig ist, sich damit zu beschäftigen was nach der Karriere passiert. Viele werden nicht gut genug darauf vorbereitet und dann passiert, dass man nicht loslassen kann. Bei mir war das auch ein bisschen so. Ich musste lernen, dass es nur in Schritten möglich ist und dass ein harter Cut für mich nicht die richtige Lösung ist. Ich habe 2016 mit der Nationalmannschaft aufgehört, 2018 mit der Feld-Bundesliga und dann noch eine Saison Hallenhockey gespielt. In der Coronazeit hat es mich nochmal gepackt, als ich ein Angebot aus Belgien bekommen habe.

Beim Abschied vom Sport gibt es kein Richtig und kein Falsch. Jeder muss für sich selbst herausfinden, was der passende Weg ist. Ich habe immer einen smoothen Übergang versucht, unter anderen auch durch ein Studium weitergebildet. Das war echt eine Menge wert.

©Hyrox
© Hyrox

War der Sport eine Vollzeitbeschäftigung für dich? Hättest du rein davon leben können?

Fürste: Hockey ist ein Vollzeitsport, der einen komplett einspannt, nur eben nicht zu Profibedingungen vor allem was das Finanzielle angeht. Ich konnte da als Student gut von leben. Aber sicherlich hätte ich mit Hockey nicht meine Familie ein Leben lang ernähren können. Aber das war mir schon früh klar, das war keine Überraschung. Deswegen hab ja ich studiert und versucht, mich schon früh damit zu beschäftigen wie es irgendwann weiter geht.

Zusammen mit Michael Trautmann und Christian Toetzke hast du das Sportvermarktungsunternehmen Upsolut Sports gegründet und fungierst als geschäftsführender Gesellschafter. Bekannt seid ihr für das Jedermann-Fitness-Event Hyrox – Schlittenziehen, Burpees und Wall Balls lassen bei mir schmerzhafte, aber super Erinnerungen hochkommen. Wie andere Eventveranstalter hat euch Corona und der Lockdown hart getroffen: Wie seid ihr mit der Situation bisher umgegangen?

Fürste: Die Pandemie hat uns ganz massiv getroffen. Event-Veranstaltungen sind wahrscheinlich die Branche, die es mit am härtesten getroffen hat. Seit März letzten Jahres konnten wir keinen einzigen Tag unserem Beruf nachgehen und es noch nicht absehbar, wann sich das ändern wird. Wäre es uns nicht gelungen, flexibel mit der Situation umzugehen, hätte Hyrox das nicht überlebt.

Für mich ging es in meiner Karriere rückblickend immer darum, Erinnerungen zu schaffen, besondere Momente und Emotionen zu kreieren (…). Aber natürlich stehen über allem ganz klar die Olympia-Siege!

Du sprichst das Thema Corona-Schnelltests an. Da bist du in den vergangenen Monaten sehr prominent für eingetreten. Einige Medien haben auch darüber berichtet. Kannst du deine Aktivitäten und die Beweggründe kurz schildern?

Fürste: Ich hatte die Idee, Schnelltest-Zentren bzw. schnelles Testen anzugehen. Wir haben uns viel damit beschäftigt und die entsprechende Infrastruktur aufgebaut. Ich bin ursprünglich davon ausgegangen, dass wir damit unsere Events sicherer machen können. Irgendwann ergab sich dann die Möglichkeit, Corona-Tests anzubieten als klar war wir können die Events nicht machen. Als von staatlicher Seite die offiziellen Anfragen nach dem Aufbau von Testzentren kamen, da waren wir im Grunde genommen fertig und hatten das alles schon durchgespielt. Wir haben dann die Opportunität ergriffen und sozusagen aus einem Not-Business ein sehr opportunes Business gemacht, das uns durch die Pandemie-Zeit rettet und damit auch Hyrox am Leben erhält.

Unter welchen Bedingungen können Veranstaltungen wie Hyrox mit über 1.000 Teilnehmern in Zukunft wieder stattfinden? Wie sieht für dich der Weg zurück in die neue Sport-Normalität aus?

Fürste: Dank des Einkommens durch die Testzentren sind wir vergleichsweise entspannt. Wir machen wieder Events mit 1.000 und mehr Leuten, wenn es wieder erlaubt ist. Was anderes bleibt uns auch nicht übrig. Bis dahin verfolgen wir parallel die Testschiene, sodass das wirtschaftlich keinen großen Impact für uns hat. Aber natürlich ist ein großer Traum und Wunsch von uns, noch im Jahr 2021 wieder normale Hyrox-Events stattfinden zu lassen. Darauf arbeiten wir mit dem ganzen Team hin.

Wie sportlich aktiv bist du derzeit noch? Verfolgst du eigentlich noch sportliche Ziele oder kann da nichts mehr kommen für jemanden, der Olympiasieger ist?

Fürste: Ich habe immer noch einen großen Ehrgeiz und setze mir Ziele. Mittlerweile spiele ich vor allem Golf und Tennis. Ich habe auch sehr lange auf ein Hyrox-Double hintrainiert, das wurde dann jäh zerschlagen durch Corona. Ich möchte dieses Jahr noch einen Marathon laufen oder zumindest einen Halbmarathon – das habe ich noch nicht ganz entschieden. Zudem gehe ich auch gerne ins Fitnessstudio. Toll, dass das endlich wieder möglich ist.

Im Ziel: Auch nach der Profikarriere Sport wichtiger Teil im Leben von Moritz ©Hyrox
Im Ziel: Auch nach der Profikarriere Sport wichtiger Teil im Leben von Moritz © Hyrox

Was unternimmst du abgesehen von Sport, wenn du dir etwas gönnen möchtest?

Fürste: Wenn ich mir etwas gönne, dann hat das immer Essen oder mit Reisen und Essen zu tun. Gegebenenfalls gönne ich mir neues Equipment für eine der genannten Sportarten.

Welches sind deine drei Hamburger Lieblingsrestaurants und warum?

Fürste: Das ist einfach: Meine Nummer 1 ist das Fischereihafen Restaurant. Das mag erstmal überraschend klingen, für mich ist es das beste Restaurant der Stadt. Meine Nummer 2 ist das Café Swedish Cream an der Rothenbaumchaussee. Da gehe ich jeden Morgen hin und starte den Tag. Und das dritte ist der Supper Club am Isekai. Super chilliges Restaurant direkt am Wasser. Kann man mit den Kids Tretboot fahren. Einfach herrlich!

Wie steht es mit passenden Weinen zum Essen? Was kannst du empfehlen?

Fürste: Ich bin bei Weinen hauptsächlich Konsument, nicht wirklich Experte. Wenn wir in Österreich sind, weil meine Frau von dort stammt, dann trinken wir gerne einen Gelben Muskateller. Zu Hause trinken wir vor allem Riesling oder Cabernet Sauvignon. Rund um Weihnachten ist auch ein Merlot immer ganz lecker.

Danke dir für das interessante Gespräch!

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