Leben nach dem Fußball: Im Interview mit HSV-Torwartlegende Richard Golz

Richard Golz war über 20 Jahre als Profifußballer tätig. Bekannt ist er vor allem als langjähriger Torwart des HSV. Wie ist ihm der Übergang in das Leben nach dem Sport nach seinem Karriereende 2008 gelungen? Was macht er heutzutage beruflich? Was treibt er in seiner Freizeit? Diese und weitere Fragen hat mir Richard Golz im Interview beantwortet. 

Moin Richard, welche Erlebnisse als Profifußballer sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Richard Golz: Sport heißt Gewinnen und Verlieren. Der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga mit dem SC Freiburg bleibt mir in Erinnerung oder die Qualifikation für den UEFA-Cup mit dem HSV unter Felix Magath am letzten Spieltag durch ein 4:1 in Frankfurt. Negativerlebnisse bleiben in über 20 Jahren nicht aus. Der Abstieg mit dem Sportclub, den ich auch noch nach einer schweren Verletzung von draußen mitansehen mußte, ist natürlich der Tiefpunkt.

Die gleiche Frage habe ich auch Ex-Hockeyprofi Moritz Fürste im Interview gestellt: Wie ist dir der Abschied aus dem Profisport mental gelungen? Fällt man da nicht erst mal in ein Loch, wenn es mit dem großen Scheinwerferlicht vorbei ist?

Golz: Das Problem ist eher, dass du als „Adrenalinjunkie“ erstmal keinen Stoff mehr bekommst, weil der Wettkampf fehlt. Das Scheinwerferlicht ist nicht so wichtig, wenn du gleich eine Aufgabe hast, der du dich widmen kannst. Ich hatte einen fließenden Übergang nach meiner letzten Station in Hannover. Am 30.06. lief mein Vertrag aus, am 01.07. habe ich beim HSV im Nachwuchsleistungszentrum als Torwarttrainer angefangen. Da musste ich inhaltlich und persönlich meinen Weg finden. Der Prozess war extrem spannend, weil man sich auch wieder neu kennenlernt.

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Ich habe gelesen du hast parallel zum Profisport Wirtschaftswissenschaften studiert: Das zeigt, dass du dich frühzeitig mit dem Leben nach dem Fußball beschäftigt hast. Kannst du kurz darauf eingehen? Wie hast du es zeitlich geschafft, neben dem Fußball zu studieren?

Golz: Während der Karriere habe ich an der Fernuni in Hagen studiert und ein paar Scheine gemacht, aber zu einem Abschluss hat es nicht gereicht, da es dann doch noch viele andere interessante Sachen gab 😉. Die Zeit war schon da, gerade wenn man ein Fernstudium betreibt, den Master in Sport- und Eventmanagement habe ich berufsbegleitend aber erst nach der Karriere während meiner Tätigkeit beim HSV gemacht, als mir klar war, wo die Reise hingehen soll. Den Job als Trainer habe ich mehr als Transformationsphase gesehen, obwohl es auch sehr viel Spaß gemacht hat, im Nachwuchs (HSV) und auf Bundesliga- (Hertha BSC) bzw. Nationalmannschafts-Niveau (Rumänien mit Cheftrainer Christoph Daum) zu arbeiten.

Welchem Job gehst du heutzutage nach? Inwiefern ist der Sport noch Teil deines Berufslebens?

Golz: Sport nimmt einen großen Teil ein! Ich arbeite derzeit von meinem Home Office in Hamburg aus als Personalberater für die Hager Unternehmensberatung aus Frankfurt. Ich leite die Business Unit Sports und besetze Schlüsselpositionen in Sportorganisationen, dabei ist aber eine klare Grenze gezogen: keine Spieler, keine Trainer.

Meine Klienten sind Vereine, Verbände oder andere Organisationen aus dem Sportumfeld. Das können aber auch Vermarkter sein, Fahrradhersteller oder Technikfirmen wie Kinexxon oder Polar, um zwei anschauliche Beispiele zu nennen. Klassische Positionen, die wir besetzen sind Direktoren, Geschäftsführer oder Vorstandspositionen im Marketing/Vertrieb, Recht/Personal oder der IT.

Ich bin in einer Zeit als Profi groß geworden, in der der Torwarttrainer eher ein Fremdwort war und Laufen war nicht nur in der Vorbereitung das Standardprogramm. Ich hatte Laktatwerte, für die Mario Basler viel Geld bezahlt hätte.

Wie oft kickst du noch selbst und ziehst die Torwarthandschuhe an? Oder sind deine fußballerischen Bedürfnisse heutzutage gestillt, wenn du die Spiele deines Sohnes als Torwart bei Rot-Weiss Essen verfolgst?

Golz: Ich spiele nur noch ganz selten, wenn es um einen guten Zweck geht, wie z.B. „Kicken mit Herz“ in Hamburg. Wenn es irgendwie geht, schaue ich natürlich gerne die Spiele von Jakob bei Rot-Weiss Essen, das kollidiert am Wochenende so ziemlich immer mit den Spielen von Altona 93, wo ich als Berater des Vorstands zusammen mit Trainer Andreas Bergmann versuche, die Mannschaft in der Regionalliga Nord zu etablieren. Zeitlich besser passt es meist mit dem TSV Sasel, wo unser anderer Sohn Lennart in der Vierten spielt. Da ist immer Stimmung auf dem Platz (und danach).

Gibt es außer Fußball noch andere Sportarten, die dich interessieren? Wie steht es bei dir mit Laufen? Bisher habe ich noch keinen Fußballer kennengelernt, zugegebenermaßen auf dem Kreisklasse- bis Bezirksliga-Niveau, der das gerne macht. Eher ein lästiges Pflichtprogramm.

Golz: Ich bin in einer Zeit als Profi groß geworden, in der der Torwarttrainer eher ein Fremdwort war und Laufen war nicht nur in der Vorbereitung das Standardprogramm. Ich hatte Laktatwerte, für die Mario Basler viel Geld bezahlt hätte. Als ich mal bei der sportärztlichen Untersuchung bei meiner letzten Station Hannover 96 auf dem Ergometer saß, fragte mich der Arzt: „Bist Du Marathonläufer?“. Beim Laufen kann man herrlich nachdenken, deshalb mag ich auch keine Kopfhörer, und wie jeder Mensch aus Hamburg, der zentrumsnah wohnt, laufe ich sehr gerne früh morgens um die Alster.

Am meisten Spaß habe ich bei einer Runde Golf: Grüner Rasen, ein Ball, der zugegebenermaßen etwas kleiner ist, aber dafür nicht vom Fuß springt. Es gibt nicht viel Besseres, als wenn die Kugel da landet, wo sie hin soll. 

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Inwiefern hast du noch sportliche Ziele? Oder sind die kompetitiven Zeiten für dich lange vorbei?

Golz: Beim Golf, wo du am Ende nur gegen dich spielst, wäre das tatsächlich Handicap 18 (aktuell 24,4), da geht noch was. Für die Alsterrunde, die für mich 10 Kilometer von Tür zu Tür bedeutet, ist es ein Schnitt von 12 km/h. Eigentlich brauche ich nur einen Hasen, der das Tempo macht 😉.

Was unternimmst du abgesehen von Sport, wenn du dir etwas gönnen möchtest?

Golz: Essen und Trinken muss man sowieso und fast nichts ist schlimmer als schlechter Wein. 

Welches sind deine drei Hamburger Lieblingsrestaurants und warum?

Golz: Da ich in Hamburg quasi auf dem Isemarkt wohne, kann ich alles fußläufig oder mit dem Rad erreichen. Das Restaurant Brücke ist ganz weit vorne bei mir.

Sehr lecker, gemütlich und immer lustig ist Da Remo in der Hegestraße und last but not least ist ein Panino vom Café Hy auf dem Wochenmarkt ein perfekter Start in den Tag.

Wie steht es mit Weinen zum Essen? Welchen Rot- bzw. Weißwein magst du am liebsten?

Golz: Sauvignon Blanc mag ich gerne und wenn ich „rot sehe“, dann habe ich aus meiner Zeit in Freiburg eine ausgeprägte Liebe zum Spätburgunder entwickelt.

Danke dir für das interessante Gespräch!

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