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Laufsport während des Lockdowns

Fast ein Jahr Corona! Das Virus hat auch unsere geliebten Laufaktivitäten ordentlich durcheinandergewirbelt. Das Gros der Laufveranstaltungen wurde in 2020 gestrichen, wann und in welcher Form Sportevents mit Tausenden von Teilnehmern in 2021 wieder stattfinden werden, steht noch in den Sternen. Viele Deutsche arbeiten seit Monaten im Homeoffice. Ich habe mich gefragt, welche konkreten Auswirkungen COVID-19 auf den Laufsport hat: Wart Ihr in den vergangenen Monaten weniger, gleich viel oder mehr laufen?

Diese Frage habe ich in einer einschlägigen Gruppe auf Facebook gestellt und 16 Sportler haben mir geantwortet. Von den befragten Personen sagt die Hälfte, dass sie im vergangenen Jahr mehr gelaufen sind, drei Personen konnten ihr Pensum konstant halten und fünf gingen weitaus weniger auf die Piste. Was waren die Gründe? Dazu gleich mehr. Zunächst noch paar Sätze zu meinem Laufjahr.

Stolzer Finisher des Miami Halbmarathon 305
Stolzer Finisher des Miami Halbmarathon 305

Mein Laufjahr 2020: Prädikat durchwachsen

Es fing zunächst vielversprechend an. Ich war gut im Saft und am 1. März hatte ich sogar noch das Highlight meiner bisherigen Hobbysportler-Karriere gefinished: den Miami Halbmarathon 305. Nach unserer Heimkehr ging es dann mit dem Virus richtig los. In der Zeit bis Ende Juli bin ich dann viel weniger gelaufen. Der Grund ist, dass ich zwei- bis dreimal die Woche von der Arbeit nach Hause laufe – und das im Home Office ausfiel. Zugleich habe ich aber viel mehr Home Fitness gemacht – entweder an den Video-Sessions meiner Crossfit-Box teilgenommen oder Trojan Workouts mit Kettlebells und eigenem Körpergewicht durchgezogen.

Doch mit jeglichem ambitionierten Sport war es dann 2020 vorbei, als ich mir nach dem Re-Opening meiner Crossfit-Box beim „Thrustern“ den linken Außenmeniskus gerissen habe. In den letzten Wochen sind Widerstandsbänder meine neuen besten Freunde geworden (Dank der Fitness Fibel Home Fit). Doch genug über mich. Wie haben denn die von mir Befragten die Corona-Situation sportlich gemeistert?

Sportler, die mehr gelaufen sind

Argumente:

  • Homeoffice
  • Mehr Zeit wegen Kurzarbeit
  • Fitnessstudios & Co. geschlossen
  • Neue Strecken ausprobieren

Ich bin mehr gelaufen. Bin mehr zu Hause und da sich die ganze Familie daran gewöhnt hat, dass Mutti da ist, war das meine Auszeit. Damit ich nach etwas trainiere, habe ich mir einen Marathon-Trainingsplan heruntergeladen und versuche, mich daran zu halten.

(Valjbona)

Deutlich mehr gelaufen. Lag aber auch an der mit dem Lockdown verbundenen Kurzarbeit. Also deutlich mehr Zeit zum Laufen.

(Uwe)

Ich bin mehr gelaufen. Ich habe mehr Zeit (…) und es gibt weniger Möglichkeiten, andere Sachen zu machen.

(Henri)

Ich war gefühlt mehr laufen, aber auch viel mit dem Rad unterwegs. Meine Motivation war dabei, auch mal wieder neue Strecken auszuprobieren und einfach mal andere Wege genommen. 

(Sabine)

Ich bin durch Corona erst zum ernsthaften Laufen gekommen. Vorher nur zwei mal die Woche fünf km oder so. Dann im April als die Fitnessstudios schließen mussten, habe ich das Laufen so richtig entdeckt. Drei Halbmarathon in 2020. Damit hätte ich nie gerechnet.

(Uwe)

Ich bin deutlich mehr gelaufen, weil Schwimmen und Kurse im Fitnessstudio weggefallen sind.

(Anna-Maria)

Ich komme zurzeit meistens auf um die 25 bis maximal 40 km die Woche – durch Corona aus dem Homeoffice schaffe ich deutlich mehr regelmäßige Bewegung.

(Eva)

Also ich bin mehr gelaufen (…). Gegen Ende des Jahres dachte ich „Oha“ ich könnte 2000 km schaffen und in der letzten Dezemberwoche kam dann die Idee, 2020 km in 2020 zu laufen. Motivation ist bei mir das Laufen an sich. Das ist meine Zeit, in der ich nicht arbeiten muss, nicht denken muss, nicht Mama sein muss, nicht aufräumen, einkaufen, kochen, backen usw. muss. Durch Corona war ich dann auch viel im Homeoffice, somit blieb ein wenig mehr Zeit, um zu laufen, weil ich den Arbeitsweg gespart habe.

(Mel)

Sportler, die gleich viel gelaufen sind

Argumente: 

  • Allerdings langsamer
  • Corona ändert Laufprogramm nicht
  • Nur eine Quarantäne-Pause 

Gleich viel nur langsamer, weil meine Pacemaker meistens fehlten!

(Yvonne)

Corona geht mir am A… vorbei. Alles läuft so wie immer.

(Mario)

Ich musste zumindest wegen einer unverhofften Quarantäne 14 Tage pausieren. Sonst laufe ich meine 50 bis 70 Kilometer pro Woche. Ich habe im Herbst an zwei Wettbewerben teilgenommen und trainiere für den bzw. die nächsten Wettbewerb(e) drei bis vier Einheiten pro Woche. Ein Mix aus langen Läufen & Intervallen.

(Hannes)

Sportler, die weniger gelaufen sind

Argumente: 

  • Mehr Arbeit
  • Emotionale Erschöpfung
  • Mehr Sport insgesamt, weniger Laufen

Leider deutlich weniger, aber es wird besser. Arbeite im Steuerbüro. Da ist die Arbeit leider dramatisch angestiegen und recht spät abends fehlt zu oft die Lust.

(Peter)

Ich bin deutlich weniger gelaufen, weil ich mehr und schlecht planbar gearbeitet habe und morgens schlechter aus dem Bett kam aufgrund emotionaler Erschöpfung.

(Jochen)

Zuerst deutlich weniger, da es arbeitstechnisch wahnsinnig anstrengend war. Im Herbst hab ich es dann geschafft, wieder anzugreifen und bin momentan zufrieden.

(Kerstin)

Erheblich mehr Sport gemacht, wenn auch weniger Laufen.

(Mirjam)

Bin erheblich weniger gelaufen, dafür stattdessen mit der Bahn jeden Morgen und Abend Fahrrad gefahren.

(Karsten)

Fazit

An der Außenalster, im Stadtpark & Co. sieht man sofort, dass viel mehr Leute als noch vor Corona laufen gehen. In der eingefleischten Läuferszene – also mit Blick auf Menschen, die die das Lauffieber schon länger gepackt hat – fällt die Frage danach, ob mehr, gleich viel oder weniger gelaufen wird eher durchgewachsen aus. Das zeigen zumindest die Ergebnisse der kleinen Befragung, die ich durchgeführt habe. Homeoffice führt nicht bei jedem zu mehr Bewegung, das hängt ganz stark von den persönlichen Lebensumständen ab, vom Job etc. Drücken wir die Daumen, dass wir alle bald wieder wie gewohnt unseren Lieblingssportarten nachgehen können – ob nun Laufen oder nicht. Ich für meinen Teil freue mich unheimlich darauf, hoffentlich Ende des Jahres wieder bei einem offiziellen Lauf mitmachen zu können. Nach einer Motivations- und Verletzungsdelle konnte ich mein Laufpensum in den letzten Wochen immerhin wieder hochfahren. Bleibt alle gesund!


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2 Kommentare zu „Laufsport während des Lockdowns“

  1. Ich bin leider immer noch deutlich weniger am Laufen als sonst, aber hauptsächlich weil ich Wettkampfläufer bin. Ich kann mich im Training besonders fordern und motivieren, wenn es „einen Grund“ gibt. Und der Grund ist meist, daß man bei diesem oder jenem Marathon ordentlich abliefern will. Fehlt dieser Grund, laufe ich zwar auch. Aber mich bei Intervalltrainings zu schinden und ständig Kilometer bei den Longruns zu machen, fällt beim „einfach so“ laufen dann bei mir weg. LG, Daniel

    1. Hi Daniel,

      danke für deinen interessanten Kommentar. Super Website hast du! Da würde ich auch gerne noch hinkommen 🙂

      Viele Grüße
      René

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