Ausflug mit Aussicht: Auf dem Mount Seymour © Nora Cavara

Nora Cavara: „Ich bin aktiv, um mich gut zu fühlen“

Nora Cavara ist Neurowissenschaftlerin, Unternehmensberaterin, war für Evonik mehrere Jahre auf Start-up-Mission in Kanada und ist seit Oktober 2019 als Geschäftsführerin des Hammerbrooklyn Digital Pavillon in Hamburg tätig, der kurz vor der Fertigstellung steht. Seit Mai 2020 bin ich Teil des Hammerbrooklyn-Teams und Nora meine Vorgesetzte. Und weil sie so sportbegeistert ist wie ich, freue ich mich sehr darüber, dass sie mir ein kleines Interview für mein Freizeitprojekt „Joggen & Essen in Hamburg (JEHH)“ gegeben hat. 

Moin Nora, du bist Neu-Hamburgerin und erst Ende letzten Jahres für den aktuellen Job aus Vancouver zurück nach Deutschland gezogen. Mit Blick auf Sport und Freizeit: Haben die beiden nördlicher gelegenen Städte gewisse Gemeinsamkeiten? Wo liegen deiner Meinung nach die größten Unterschiede? 

Nora Cavara: Da könnte ich ja schon auf die Startfrage abendfüllend antworten! Hafenstadt, Kaffeestadt, Handelsstadt, auf Wasser gebaute Stadt – es gibt so viele augenscheinliche Gemeinsamkeiten. Ich versuche mal, mich wie gewünscht auf Sport und Freizeit zu fokussieren. Beides sind Städte, in denen man unbedingt ein Fahrrad haben muss. In und um Nord-Vancouver sind absolute Weltklasse Mountainbike-Hotspots verortet. Dagegen würden die meisten Vancouverites aufgrund der größeren Distanzen bis zur Arbeit eher nicht auf die Idee kommen, mit dem Fahrrad zu pendeln.

Generell ist die Freizeitgestaltung in Vancouver stark auf Outdoor und die Berge ausgerichtet, sei es Skifahren, Mountainbiking oder Wandern. Die ganze Stadt schiebt sich am Wochenende Richtung Norden in die Berge. Durch Corona habe ich in Hamburg noch nicht viel ausprobieren können, aber ich glaube Hamburg ist viel Wassersport-affiner als Vancouver. Gerade vor Vancouver Island kann man fantastisch Surfen, aber für alle Sportarten außerhalb eines Neoprenanzugs ist der Pazifik einfach zu kalt.

Frostig aber lustig: Surfen vor Vancouver Island © bee_nk (Instagram)
Frostig aber lustig: Surfen vor Vancouver Island © bee_nk (Instagram)

Für welchen Sport konntest du dich in Vancouver begeistern? Wie hast du dich vor deiner Zeit in Kanada fit gehalten? Konntest du dir Hamburg sportlich auch schon etwas erobern seitdem du hier bist?

Cavara: Ich habe während meiner Promotion American Football in der zweiten deutschen Bundesliga gespielt. Mich hat einerseits die Komplexität des Sports fasziniert, aber vor allem, dass man wirklich sehr unterschiedliche Typen für ein erfolgreiches Team braucht. Ich kann zum Beispiel einen Ball weder besonders gut fangen noch werfen. Aber ich konnte ganz gut auf einer Linie stehen und niemanden vorbeilassen, auch wenn’s dreckig wurde. Zur gleichen Zeit habe ich sehr viel mittelalterlichen Schwertkampf in Rüstung gemacht, was dann über fast zehn Jahre meine gesamte Freizeit ausgefüllt hat.

Mittelalterliche Schwertduelle gingen in Kanada natürlich nicht mehr. Generell habe ich in Kanada einfach alles ausprobiert, um zu sehen, was mir in der neuen Heimat Spaß machen könnte: von Schneeschuhwandern bis Eishockey. Skifahren war quasi Pflichtprogramm, auch einfach mal kurz nach der Arbeit, die Berge sind ja vor der Haustür. Da ich beruflich immer sehr viel unterwegs war, habe ich zudem eine sportliche Aktivität gebraucht, die überall und alleine geht. Da bietet sich natürlich vor allem Laufen an, weil man minimale Ausrüstung benötigt. Eines meiner Highlights war der SunRun 2018 in Vancouver über zehn Kilometer – mein bisher einziger Massenlauf.

Was mich besonders gepackt hat, war das Mountainbiking. Das habe ich dann in jeder freien Minute und abends nach der Arbeit gemacht. In Hamburg kann ich mich jetzt keinen Berg mehr runterstürzen. Also musste ein Gravel Bike für normale Straßen und unbefestigte Wege her, mit dem ich in nächster Zeit die Stadt und ihr Umland erkunden werde.

Ich bin ein Sport-Generalist: Ich kann bei allem schnell und auf gutem Freizeitniveau mitmachen, bin aber in nichts herausragend. Dafür mache ich viel zu gerne verschiedene Dinge.

Welche Bedeutung hat Bewegung für dich? Bist du vor allem aktiv, um einen Ausgleich zum Job zu schaffen oder geht sportliche Aktivität bei dir auch mit konkreten Zielen einher, die du erreichen willst?

Cavara: Bewegung und Sport sind für mich in erster Linie Spaß und Entspannung. Ich bin aktiv, um mich gut zu fühlen – so einfach ist das. Ich bin ja fasziniert von Menschen, die ihr Ding beim Sport gefunden haben und dann richtig gut darin werden. Das ist völlig außerhalb meiner sportlichen Realität. Ich bin ein Sport-Generalist: Ich kann bei allem schnell und auf gutem Freizeitniveau mitmachen, bin aber in nichts herausragend. Dafür mache ich viel zu gerne verschiedene Dinge.

Menschen entspannen sehr unterschiedlich. Ich entspanne, indem ich mich vollkommen auf etwas konzentriere, was einerseits neu ist und andererseits meine ganze Aufmerksamkeit erfordert. Wenn ich mich am Wochenende einen Mountainbike-Trail runterschmeiße, kann ich nicht über anstehende Vertragsverhandlungen nachdenken. Nicht mal mit dem letzten Fitzel meines Gehirns. Und wenn ich dann am nächsten Tag wieder auf die Dokumente schaue, mache ich das mit einem ganz frischen Kopf.

Auf einer Skala von 1 bis 10 von sehr schlecht bis sehr gut: Wo verortest du dein aktuelles Fitnessniveau?

Cavara: Ich schaue jetzt extra nicht nochmal nach, was andere Interviewpartner hier gesagt haben, und behaupte selbstbewusst: 7,5. Man misst ja heutzutage alles, von Ruhepuls bis Viszeralfett. Deswegen ist der Wert nicht komplett aus der Luft gegriffen. Dafür bin ich in keiner einzigen Sportart wirklich gut, weil ich sie einfach alle zu gerne durcheinander betreibe. In den Peloton Leaderboards bin ich immer in den oberen 30-50 Prozent – viel weiter oben dann aber auch nicht.

Du arbeitest viel und lange: Dennoch schaffst du es immer wenn es darauf ankommt, beispielsweise bei einer wichtigen Besprechung nach einem 12-Stunden-Tag, super fokussiert zu sein. Wie bekommst du das hin? Gilt für dich nur die Devise ganz oder gar nicht?

Cavara: Es freut mich ja, dass ich offenbar diesen Eindruck vermittele! Mittlerweile kann ich einfach schnell umschalten, das wirkt dann nach außen vermutlich wie Fokus. Es hat ein paar Jahre gedauert bis ich das einigermaßen konnte und es klappt auch nicht immer. Aber wenn ich gerade aus einem unangenehmen Meeting komme, kann ich das nicht im Anschlusstermin an meinen Mitarbeitern auslassen. Also muss ich auf das neue Thema angemessen reagieren. Und wenn ich muss, kann ich auch umschalten zwischen „Ich bin müde und hungrig und hab keine Lust“ auf „Ich bin jetzt noch mal eine Stunde voll in diesem Thema und höre dann auf meine Bedürfnisse.“

Endspurt eingeläutet: Von der grünen Box zum Hammerbrooklyn Digital Pavillon © Martina van Kann
Endspurt eingeläutet: Von der grünen Box zum Hammerbrooklyn Digital Pavillon © Martina van Kann

Verfolgst du diese konsequente Haltung auch im Sport oder gehst du es da auch hin und wieder gemächlicher an? Mal easy auf dem Peloton strampeln?

Cavara: Natürlich habe ich Ziele, aber ich trete eigentlich immer nur gegen mich selbst an. Die eigene Bestzeit schlagen, den blauen Trail diesmal ohne Sturz hinbekommen – sowas halt. Ich bin leider ein völliges Suchtopfer von Tracking-Applikationen und Gamification, deswegen hat mich Peloton auch so gefesselt. Man kann jeden Tag etwas Neues machen und erhält hübsche digitale Abzeichen und Rankings und Statistiken. Ich liebe es.

Bald eröffnet der Hammerbrooklyn Digital Pavillon. Wird es für die Firmen und Experten, die sich im Digital Pavillon engagieren, auch ein Sportangebot geben?

Cavara: Darauf kann ich noch keine konkrete Antwort geben. Die unbefriedigende Antwort zur Zeit lautet: Ja bestimmt! Und ich hoffe, zeitnah mehr dazu sagen zu können.

Was unternimmst du abgesehen von Sport, wenn du dir etwas gönnen möchtest? Wie steht es mit essen gehen und einem Glas Rotwein?

Cavara: Ich bin tatsächlich gar kein Weinkenner. Wenn es um den Genuss von Spirituosen geht, ist meine Rangfolge klar: Whisky, Bier, Gin. Ich gehe sehr gerne auswärts essen, aber am liebsten da, wo ich lange sitzen bleiben kann – und wo auf das schöne Essen dann auch noch ein schöner Whisky folgt.

Mein Mann und ich machen ganz oft freitags einen „Abend der Köstlichkeiten“: Jeder besorgt oder bereitet drei bis vier Kleinigkeiten zu und zwar ohne Absprache. Wenn dann alles auf den Tisch gestellt wird, ergeben sich beim Durchprobieren automatisch die wildesten Kombinationen – Tapas mit Kimchi oder Falafel mit Lachs und Pasta.

Welches sind deine drei Hamburger Lieblingsrestaurants?

Cavara: Kurz nachdem ich in Hamburg angekommen bin, war Weihnachten. Da esse ich zuhause sehr, sehr viel und gehe erstmal nicht mehr so viel auswärts schlemmen. Und kurze Zeit später kam Corona und ich bin gar nicht mehr unnötig rausgegangen. Insofern weise ich einen eklatanten Mangel an kulinarischer Erfahrung in der Hansestadt auf. Sehr gerne möchte ich bald meine drei kulinarischen Lieblingsküchen süd- oder westindisch, italienisch und mexikanisch ausprobieren. Deine Insider-Tipps sind also sehr willkommen!

Danke dir für das interessante Gespräch!

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